„Wir haben den Propheten gerächt“, sagte einer der Charlie-Hebdo-Attentäter und tötete wahllos Menschen. Der selbsternannte Rächer wollte die Ehre des Propheten retten. Es hieß, der Attentäter mache dies aus Liebe zum Propheten. Hier stellt sich bei mir die Frage, ob der Prophet dies gut geheißen hätte. Oder viel besser: wie er gehandelt hätte.

Was für ein Prophet war er eigentlich? Warum wird er nicht nur von Muslimen, sondern wurde auch von nichtmuslimischen Dichtern und Philosophen wie Annemarie Schimmel, Goethe, Friedrich Rückert und selbst von „Islam-Kritikern“ wie Dante verehrt oder zumindest respektiert?

Ich möchte vorausschicken, dass es unmöglich ist, eine solch große Persönlichkeit wie den Propheten Muhammad in wenigen Zeilen zu beschreiben. Daher werde ich auf einige wenige Ereignisse in seinem Leben eingehen, um euch die Entscheidung zu überlassen, ob die Aktionen der Attentäter im Leben des Propheten ein Pendant finden.

Der Prophet Muhammad war ein Mensch, der nicht nur seine Gefährten freundlich, gerecht und barmherzig behandelte, sondern selbst seine größten Kritiker. Er wurde nicht entsandt, um Hass zu schüren oder Gewalt zu stiften, sondern aus Barmherzigkeit (21/107), indem er dem Unrecht ein Ende setzt und Frieden unter die Menschen bringt.

 

Die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit des Propheten

Er privilegierte nicht seine Gefährten, weil diese ihm folgten, sondern bestrafte sie, wenn sie ungerecht handelten. Entgegen der Handlungen der Attentäter, die von Rache redeten, war der Prophet selbst zu jenen, die ihn kritisierten, schmähten oder ihm mit Gewalt drohten, gerecht.

Er handelte hierbei nicht anders, als der Koran es ihm vorschrieb: „(Doch trotz alledem, o Gesandter) übe Nachsicht und sei duldsam, und gebiete was gut und richtig ist, und halte dich fern von den Unwissenden.“ (7/199)

Er urteilte nicht nur zugunsten von Muslimen, sondern, wenn geboten, auch gegen sie und in einer angemessenen Weise zugunsten seiner Kritiker, und dies mochte einigen nicht gefallen:

Tu‘me ibn Ubeyrik stahl, als er noch ein Muslim war, einst eine Rüstung. Als er fürchtete, man könne die Rüstung bei ihm auffinden, versteckte er sie bei einem Juden im Haus. Mithilfe einiger Augenzeugen konnte dieser feststellen, dass die Rüstung von Tu´me gestohlen und bei ihm versteckt wurde. Nachdem er sich beim Propheten über Tu´me beschwert hatte, machte sich dieser ganz gelassen auf den Weg zum Propheten, da er sich sicher war, dass er ihn privilegieren würde. Immerhin war der Kläger kein Muslim. Doch die Indizien sprachen gegen Tu´me und er wurde für schuldig erklärt. Einigen Überlieferungen zufolge ist dieses Ereignis auch der Anlass zur Offenbarung des folgenden Verses:

„Verteidige nicht diejenigen, die sich selbst betrügen. Gott liebt nicht jene, die Vertrauen missbrauchen und auf Sünden beharren. (4/107) „Wer aber einen Fehler oder eine Sünde begeht und sie dann einem Unschuldigen zur Last legt, der lädt dadurch (die zusätzliche Bürde) offensichtlicher Schändlichkeit und Sünde auf sich.“ (4/112)

Dieser Vers versetzte Tu´me in Entrüstung, da ein Jude gegenüber einem Muslim Recht zugesprochen bekam. Die Gerechtigkeit des Propheten, welche von Tu´me als „Ungerechtigkeit“ wahrgenommen wurde, sorgte dafür, dass er anschließend dem Islam abschwor. Doch der Prophet würde, wenn er ungerecht handeln würde, der Botschaft des Koran widersprechen. Die Kritik oder gar der Hass war für den Prophet kein Grund, Menschen zu benachteiligen, gegen sie auszusagen oder zu urteilen, denn die Gerechtigkeit kennt keinen Stamm, kein Aussehen und keine Ideologie.

 

„Gott genügt mir“

Suhail ibn Amr, ein rhetorisch begabter Redner, der den Propheten bei jeder Gelegenheit diffamierte, Hass schürte und so die Gesellschaft spaltete, gelangte während der Zeit in Medina in die Gefangenschaft einiger Gefährten, woraufhin diese Suhail ibn Amr zum Schweigen bringen wollten, damit er nicht weiterhin den Propheten schmäht und Hass schürt. Als dies der Prophet hörte, ging er sofort zu seinen Gefährten und sagte: „Würde ich dies tun (zulassen), so würde Gott mich am Tage des Gerichts niedermachen, trotz der Tatsache, dass ich sein Gesandter bin.“

Aischa, die Frau des Propheten erzählte, dass sie den Propheten nie Rache ausüben sah, geschweige denn dies beabsichtigte. Er bemühte sich stets um den Frieden in der Stadt und akzeptierte sogar hierfür islamisch unannehmbare Angelegenheiten (siehe Hudaybiya-Vertrag, auf den hier nicht eingegangen werden kann):

Die Beispiele hier sind nur wenige von vielen aus dem Leben des Propheten. Wer sich für mehr interessiert, der möge die Prophetenbiographie lesen. Vielleicht lässt sich die Aussage Goethes, „Oberhaupt der Geschöpfe – Muhammad“, für viele dann bestätigen. Nicht umsonst haben die oben bereits erwähnten Dichter und Philosophen den Propheten so sehr gewürdigt und als Beispiel für die Menschheit gezeigt. Sie haben sich jahrelang mit dem Propheten auseinandergesetzt und gesehen, wie barmherzig dieser zu allen Menschen war und wie er die Menschen nicht aufgrund deren Religion, Aussehen oder Rang behandelte. In der Beziehung zu den Menschen ging es ihm nicht nur um die seinesgleichen, sondern um Menschen im Allgemeinen!

„Nun ist zu euch (Oh, ihr Menschen) ein Gesandter aus eurer Mitte gekommen; es bekümmert ihn zutiefst, dass ihr zu leiden habt; voll Sorge ist er um euch. Gegen die Gläubigen jedoch ist er überaus mitfühlend und barmherzig. Wenn sie sich aber abwenden, dann sprich: ‚Gott genügt mir. Es gibt keine Gottheit außer Ihm. In Ihn setze ich mein Vertrauen, und Er ist der Herr des erhabenen Throns.‘“ (9/128-129)

 

Quelle: http://sameter.de/?p=296

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