Es gibt viele Gründe und Faktoren, die unsere Schöpfung, unsere Umwelt und unsere Natur heutzutage belasten. Seien es der Klimawandel, die Verschmutzung, die Überfischung unserer Meere und Gewässer, die rücksichtslose Rodung der Regenwälder, das damit verbundene Leid vieler Tiere und Menschen und noch vieles mehr. Bei all diesen Faktoren spielt der Faktor Mensch eine gewichtige Rolle. Sein Bedarf an Rohstoffen, Nahrung und Lebensraum, aber gleichzeitig seine rücksichtslose und unvernünftige Haltung gegenüber der Umwelt und Bewirtschaftung dieser, führen vielerorts zu ökologischen Missständen, wenn nicht sogar zu Katastrophen. Auf dem Menschen  und insbesondere auch auf uns Muslimen liegt somit eine große Verantwortung, denn der Mensch ist es, der an vielen Orten der Welt das geschaffene Gleichgewicht der Natur stört oder sogar zerstört. Und es liegt an ihm seiner Verantwortung als Geschöpf Allahs bewusst zu werden und dieses sensible Gleichgewicht zu bewahren. An diese Verantwortung und die damit verbundene Rücksicht gegenüber Gottes Schöpfung und unserer Umwelt möchte ich heute erinnern.

Zunächst sei auf den Begriff Schöpfung hingewiesen. Alles was uns umgibt ist sozusagen  khalq Allahs, also Schöpfung Gottes. So heißt es z.B. in Sure al-Araf (7:54): „Gewiß, euer Herr ist Allah, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf und Sich hierauf über den Thron erhob. Er läßt die Nacht den Tag überdecken, wobei sie ihn eilig einzuholen sucht. Und (Er schuf auch) die Sonne, den Mond und die Sterne, durch Seinen Befehl dienstbar gemacht. Sicherlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl. Segensreich ist Allah, der Herr der Weltenbewohner.“

Zu dem koranischen Schöpfungsbegriff gehören der Mensch, die Tiere, die Pflanzen, die Berge, der Himmel und das Universum mit seinen unzähligen Sternen und Planeten, sowie unsere Erde mit all ihren Gewässern, Mineralien und Rohstoffen. Alles Gaben, die Gott uns gegeben hat, damit wir verantwortungsvoll damit umgehen.
Aber auch der metaphysische Teil der Schöpfung, der unseren Augen und Sinnen verborgen ist,  wie die Existenz der Engel und  der Dschinn ist Teil der Schöpfung und fester Bestandteil des islamischen Glaubens.

Viele Stellen des Korans fordern uns mit dem Blick auf die Schöpfung zu reflektieren, nachzudenken und mit Einsatz des Verstandes seinen Schöpfer zu erkennen. In der Sure an-Nahl (die Biene) und den Versen 11-13 wird darauf hingedeutet. Gott nimmt Bezug auf das Getreide, die Olivenbäume, Dattelpalmen, Weinreben, dann auf die Nacht und den Tag, die Sonne, den Mond, die Sterne und schließlich erwähnt Er die Farbenvielfalt in der Schöpfung und die damit verbundene Schönheit. Alles was Er, Allah, gestaltet und erschafft ist schön und es trägt eine Weisheit mit sich.
Wichtig ist an dieser Stelle, dass Allah zum Ende eines jeden Verses drei Merkmale des Menschen hervorhebt, so erinnert Er: „Darin sind Zeichen für Menschen, die nachdenken“, „sich des Verstandes bedienen“ und „sich ermahnen lassen“. Das Nutzen des eigenen Verstandes und das Nachdenken werden hier also hervorgehoben und sie sollten wichtige Eigenschaften von Gläubigen sein!  Gleichzeitig sollen wir uns durch die Erhabenheit unseres Schöpfers und seiner mit Weisheit und Schönheit verzierten Schöpfung ermahnen lassen.
Dies sind wichtige Eigenschaften von Gläubigen!

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist folgender:
Wieso aber soll der Mensch überhaupt Barmherzigkeit und Liebe als auch Ehrfurcht und Respekt vor der Schöpfung, den Tieren und Pflanzen haben?! Oder sind wir Menschen etwa die einzigen die Allah anbeten, ihm gehorchen und lobpreisen? Gewiss nicht!

Zunächst einmal lädt Der Koran seine Leser stets zur Reflexion und Barmherzigkeit ein und weist auf die verschiedenste Art auf die Erhabenheit Gottes hin. Sei es die Erschaffung des Menschen, der Himmel und der Erde, der Berge oder die des Wassers, aus dem alle Lebewesen geschaffen sind.  Darüber hinaus besitzt die Tierwelt im koranischen Kontext einen besonderen Stellenwert. Viele Tiere finden Erwähnung im Koran und sie sind Teil vieler Geschichten und Ereignisse. Sechs Suren tragen die Namen ausgewählter Tiere: die Biene, die Ameise oder die Spinne. Ihre Existenz und ihr Wirken werden als Vorbild für die eigentliche Schönheit und Weisheit Gottes hervorgehoben.

Aber Allah c.c. geht noch einen Schritt weiter und belässt es nicht nur in ihrer schönen Gestalt und Funktion, sondern erklärt uns – dem Menschen – dass zum einen „die Sterne als auch Bäume“ (an-nadgmu wash-shadjaru yasdjudan – in Sure ar-Rahman) die Aufgabe haben ihren Gottesdienst zu leisten und so Zitat: „werfen (sie) sich vor Gott nieder. Beten ihn also auf ihre Art an“, heißt es in Sure ar-Rahman weiter. Und nicht nur sie, sondern ebenso die Tiere üben auf ihre Art einen Lobpreis und Gottesdienst aus, denn es heißt in Sure an-Nur: „Siehst du denn nicht, dass alle Wesen in den Himmeln und auf der Erde Gott lobpreisen, so die Vögel, die im Flug ihre Flügel ausbreiten? Jedes Wesen weiß, wie es sein Gebet und seine Lobpreisung verrichtet. Gott weiß genau, was sie tun.“
Wir lernen also! Jedes Lebewesen verrichtet auf seine eigene Art seinen Gottesdienst und lobpreist Gott!
Nun, wenn dem so ist, sollten wir Muslime keinen Respekt und Achtung vor den anderen Lebewesen haben? Oh doch! Ganz sicher! Und darüber hinaus sollte aus dieser Achtung heraus den Geschöpfen Gottes gegenüber ebenso eine gewisse Güte, Liebe und Barmherzigkeit entspringen.
Wenn wir dies nicht spüren, dann sollten wir die Qualität und Aufrichtigkeit unseres Glaubens hinterfragen!

Verehrte Muslime,

dies waren nur kurze Auszüge aus dem Koran – unserem heiligen Buch. Auch aus dem Leben und der Sunna unseres geliebten Propheten Muhammad, saw, Friede sei mit ihm, ließen sich noch zahlreiche vorbildhafte Beispiele bringen.
Ich möchte an dieser Stelle nur einen einzigen Ausspruch unseres Propheten, Friede sei mit ihm, erwähnen und schließe mit seinen schönen Worten ab.
Er ermahnte uns: „Allah, der Gnädige, ist barmherzig mit den Barmherzigen. Seit auch ihr barmherzig mit den Lebewesen, so werden die Himmelsbewohner auch barmherzig mit euch sein.“

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