• Event Time 19:00-21:00
  • Event Start Date 29. January 2019
  • Event Location Mohrenstr. 34

Das Verständnis von Offenbarung formt in hohem Maße die Vorstellung über das Wesen der Religion. Alle gläubigen MuslimInnen sind sich darin einig, dass die Offenbarung über zeitlose Kraft verfügt. Aber wie äußert sich diese?

Ist die islamische Lehre mit dem Ableben des Propheten Muhammad abgeschlossen? Das würde bedeuten, dass die überlieferte Sunna, d. h. Lebensweise des Propheten und der Frühgemeinde, stets Maßstab unseres Handelns sein muss – ein aussichtsloses Unterfangen!

Das koranisch-prophetische Moralsystem, eine Mischung aus Gebotsnormen (Regeln) und Tugendnormen (ethische Prinzipien), wurde in ein politisches und soziales Umfeld hineinentwickelt, das die Handschrift einer auf Stammesloyalitäten- und Hierarchien aufgebauten politischen und gesellschaftlichen Ordnung trägt. Ein krampfhaftes Festhalten an der normativen Ordnung jener Epoche endet unweigerlich in einem absurden Formalismus.

Damit einhergehend empfinden viele MuslimInnen eine starke Kluft zwischen der „goldenen“ Frühzeit und der Jetztzeit. In der muslimischen Gelehrtenlandschaft und in frommen Kreisen ist (nicht erst seit) heute ein pessimistischer Blick auf das Weltgeschehen weit verbreitet, welcher unter gewissen Umständen auch in Gewaltbereitschaft umschlagen kann.

Liberale ReformdenkerInnen wollen daher den Islam vom Ballast der Tradition „befreien“ und den Fokus auf die überzeitlichen ethisch-moralischen Botschaften des Korans richten. Aber führt eine solche Betrachtungsweise nicht umgekehrt zu einer Entwertung der religiösen Identität und Spiritualität?

In meinem Vortrag möchte ich dieser Spannung (zwischen der Fixierung auf überlieferte Formen vs. der Loslösung von denselben) nachgehen. Der Vortrag möchte keine fertige Theorie über DAS richtige Verständnis der Offenbarung präsentieren. Vielmehr soll die oben beschriebene Grundproblematik reflektiert und anhand von Textbeispielen veranschaulicht werden.

Referent:
Saleh Peter Spiewok, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Textwissenschaft und Normenlehre am Department Islamisch-Religiöse Studien (DIRS) der Universität Erlangen und Doktorand im Bereich der frühislamischen Hadith-Überlieferung.


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