• Event Time 19:00-21:00
  • Event Start Date 27. October 2008
  • Event Location Fasanenstr.3

Event Speakers

  • Dr. Klaus Lederer

Vortragsabend
Datum: 27.10.2008, 19.00 Uhr
Ort: FID BERLIN e.V., Fasanenstr.3, 10623 Berlin
Referent: Dr. Klaus Lederer, Berliner Landesvorsitzender Linkspartei
Thema: Jeder für sich oder miteinander lernen? Der gemeinsame Ethikunterricht als eine Antwort auf die multikulturelle Realität Berlins

In Berlin leben Menschen aus über 100 Nationen zusammen. Mit jeweils eigener Herkunft, Kultur, Tradition und Weltanschauung. Sie bereichern das Leben in der Stadt. Sie stellen ihre Mitmenschen und deren Toleranz aber auch immer wiederauf die Probe – eine Vielfalt, die Reichtum und Herausforderung zugleich ist. Dieses Spannungsfeld berührt grundlegende Fragen menschlichen Zusammenlebens und wirft Konflikte auf.
Diese betreffen insbesondere Kinder und Jugendliche. Fragen nach der eigenen Identität, nach der Lebensplanung und ihrem künftigen Platz in der Gesellschaft, nach der Bedeutung von Freundschaft und Liebe sowie ihren Beziehungen zu anderen Menschen bestimmen den Alltag von Heranwachsenden in besonderer Weise.
2005 erschütterte der Mord an Hatun Sürücü ganz Berlin und entfachte die seit Jahren immer wieder aufflackernde Diskussion über Wertevermittlung in der Schule und die Einführung des Religionsunterrichts als Wahlpflichtfach wie in anderen Bundesländern auf`s Neue. Die rot-rote Koalition in Berlin entschied sich daraufhin für die Einführung eines für alle Schülerinnen und Schüler verbindlichen Ethik- Unterrichts, während der Religionsunterricht weiterhin auf freiwilliger Basis und nach Konfessionen getrennt angeboten wird.
Die aktuelle Debatte, ausgelöst durch das Volksbegehren „Pro Reli“, dreht sich vordergründig um die Stellung des Religionsunterrichts in der Berliner Schule. Sie berührt aber auch tiefergehende Fragen des Zusammenlebens die über die Schule hinausgehen. Welche Vorstellungen haben wir vom Zusammenleben in einer multikulturellen Stadt? Gibt es ein Defizit an gemeinsamen, übergreifenden Werteorientierungen und wir gehen wir damit um? Wann wird aus vermeintlicher Toleranz Teilnahmslosigkeit und wo verdeckt die Forderung nach einer Orientierung an vermeintlich gemeinsamen Werten fremdenfeindliche Ressentiments?